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Alu-Monocoque, aber Holz bleibt in der Hütte



Graziöser Schwung der Kotflügel, Eschenholz und ein Leistungsgewicht zum Fürchten: Probesitzen im ersten Turbomodell des Hauses Morgan, dem Plus Six mit Alu-Chassis und BMW-Reihensechszylinder.

Wien/Trumau. Das Jahr hatte man sich bei Morgan definitiv anders vorgestellt. Und während das wohl allgemeine Gültigkeit hat, kommt die Pandemie für den englischen Kleinstserienhersteller besonders ungünstig. Wie oft lanciert die 1909 gegründete Marke ein komplett neues Modell? Die Konstruktion des Plus 4, des Bestsellers der Marke, geht bis in die Fifties zurück, der Stahl-Leiterrahmen sogar bis in die 1930er. Sonst: Starrachse an Blattfedern, Aufbauten aus Eschenholz, zuletzt angetrieben von einem Ford-Vierzylinder mit 156 PS.

Das ist nun wirklich Geschichte, denn auch bei Morgan hat moderne Technik Einzug gehalten. Der Plus Four (nun ausgeschrieben) hat ein Chassis aus geklebtem Alu, das wesentlich (laut Werk um 100 Prozent) torsionssteifer ist, dabei das Fahrzeuggewicht weiterhin bei etwa einer Tonne hält. Das Monocoque mit zwei Sitzplätzen ist wesentlich geräumiger, wobei beim Packen weiterhin Sportsgeist gefragt ist – wer an die Mitnahme auch nur eines Bord-Trolleys denkt, muss eine Gepäckhalterung fürs Heck montieren.

Der Saugmotor ist ausgemustert und durch einen BMW-Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum ersetzt – damit erstmals Turbo Hause Morgan. Die maximal 255 PS (350 Nm) lassen sich per Handschalter oder – ebenfalls Novum – Achtgangautomatik verwalten. Durch den deutlich gesenkten CO2-Ausstoß fiel auch der NoVA-Satz von zuvor 30 auf neun Prozent, ergibt einen Plus-Four-Einstandspreis von knapp unter 90.000 Euro.

Aber das Modell konnte in Genf nicht gezeigt werden, weil die Show nicht stattfand, und es kann derzeit im Werk in Malvern auch nicht für Endkunden produziert werden. Das mag bis Herbst andauern, sagt Importeur Kössler-Hammerschmid in Trumau (NÖ).

Inzwischen konnten wir im Plus Six (ab 116.000 Euro) Platz nehmen – hier haust BMWs Reihensechser mit drei Litern Hubraum und 340 PS (500 Nm). Richtig fahren konnten wir noch nicht, aber man kann sich vorstellen, wie das Aggregat mit den bodennahen 1075 Kilogramm von Roadster umspringt – ohne ESP, typisch Morgan-Purismus, nix für Anfänger!

Das Chassis ist baugleich mit dem Plus Four: aufgewertetes, geräumiges Cockpit an der Frischluft, unübersehbare Handarbeit – nicht unbedingt überall makellos, aber mit Charakter. (tiv)

Compliance-Hinweis: Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 29.05.2020)



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