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Arbeitgeber müssen bei Home-Office Teil der Miete übernehmen


Das Bundesgericht hat Ende April ein wegweisendes Urteil gefällt. Eine Zürcher Treuhandfirma muss einem Angestellten eine monatliche Mietentschädigung von 150 Franken ausrichten. 

Schweizer Unternehmen müssen ihren Angestellten zukünftig einen Teil der Miete zahlen, wenn sie diese im Home-Office arbeiten lassen. Ein entsprechendes Urteil hat das Bundesgericht am 23. April gefällt, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Auf Entschädigung hatte ein Mitarbeiter einer Zürcher Treuhandfirma geklagt. Die Firma machte daraufhin geltend, dass sie mit dem Mitarbeiter nie eine entsprechende Entschädigungsvereinbarung getroffen hätte, sie sich also auch nicht verpflichtet fühle, diesem einen Teil der Wohnungsmiete zu erstatten.

Diesen Einwand liessen die Richter nicht gelten. Dass dem Mitarbeiter für das Home-Office keine zusätzlichen Kosten – wie beispielsweise das Anmieten eines zusätzlichen Zimmers – entstanden sind, war für die Richter kein Grund, von einer Entschädigung abzusehen. Gemäss Urteil ist die Firma nun sogar verpflichtet, die Entschädigung rückwirkend zu bezahlen. Der Mitarbeiter hatte in der Zwischenzeit gekündigt. Die Richter befanden eine monatliche Entschädigung von 150 Franken für gerechtfertigt.

Mietentschädigungen werden zur Selbstverständlichkeit

Das Urteil könnte weitreichende Folgen haben. In der Coronakrise war das Home-Office vielerorts das Gebot der Stunde. Für Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen, ist daher nicht ausgeschlossen, dass auch hier Ansprüchen auf Mietentschädigungen entstanden seien könnten, wie er im Gespräch mit der «Sonntagszeitung» sagt. Schliesslich wurden die Mitarbeiter vielerorts von den Arbeitgebern aufgefordert, von Zuhause zu arbeiten. Angestellte hätten Anspruch auf Entschädigung, wenn sie unfreiwillige Home-Office machten. Wer dies auf eigenen Wunsch tue, habe dies jedoch nicht.

Auch der Bürostuhl müsste von den Arbeitgebern bezahlt werden.

Auch der Bürostuhl müsste von den Arbeitgebern bezahlt werden. 

Ute Grabowsky / www.imago-images.de

Das Home-Office war bereits vor der Coronavirus-Pandemie auf dem Vormarsch. Durch die Krise dürfte sich nun vielerorts die Überzeugung durchsetzen, dass das Arbeiten von Zuhause aus einem gangbaren Alternativen zur Arbeit im Büro ist. Damit wird sich auch die Frage nach der Entschädigung akzentuieren: «Ich gehe davon aus, dass die Mietentschädigungen in den kommenden Jahren zur Selbstverständlichkeit werden, ähnlich wie das heute bei Generalabonnements im öffentlichen Verkehr oder bei Privatautos ist, die teilweise geschäftlich genutzt werden», sagt Geiser. Allgemein verpflichte das Gesetz die Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern alle zur Ausführung der Arbeit entstehenden Auslangen zu ersetzen. Darunter falle eben auch der Arbeitsplatz.

Bei der Erstattung eines Teils der Wohnungsmiete dürfte es also nicht bleiben. Da die Arbeitgeber dazu verpflichtet sind, sämtliche Auslagen zu entschädigen, welche die Mitarbeiter notwendigerweise zur Ausübung des Berufes brauchen, fallen auch Laptops oder Drucker darunter. Darüber hinaus ist der Arbeitgeber auch für den Gesundheitsschutz seiner Mitarbeiter verantwortlich. Deshalb dürfte auch der ergonomische Bürostuhl zukünftig vom Arbeitgeber bezahlt werden müssen. 



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