fbpx

Deutsche Umwelthilfe: Diesel-Klagen verbesserten Luftqualität



Wenig Vereine polarisieren in Deutschland so sehr wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die in den vergangenen Jahren in vielen deutschen Städten für die Einhaltung der EU-Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide geklagt hat. Eine Bilanz der Umwelthilfe zeigt nun, dass die Klagen ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt haben: Demnach hat sich die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) in 40 Städten, in denen die DUH geklagt hatte, doppelt so stark verringert wie in Nicht-Klagestädten.

So ging die Belastung nach Berechnungen der DUH, die auf Zahlen des Umweltbundesamts basieren, von 2018 auf 2019 in den Klagestädten um 4,2 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zurück – in den Nicht-Klagestädten dagegen nur um 2,1 Mikrogramm. Auch von 2017 auf 2018 war der Rückgang in den Klagestädten mit 1,4 Mikrogramm deutlich größer als in Nicht-Klagestädten, dort betrug er nur 0,4 Mikrogramm.

Fahrverbote als umstrittene Lösung

Die DUH zieht deshalb eine positive Bilanz. Man sei zuversichtlich, bis Ende 2020 saubere Luft in allen Städten durchgesetzt zu haben, erklärte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Mit den Klagen habe die DUH eine intensive Beschäftigung der Politik mit der Notwendigkeit der Luftreinhaltung und in den betroffenen Städten eine Stärkung von Bahn, Bus und Fahrradverkehr durchgesetzt, so Resch. “Jetzt beweisen die Gerichtsurteile und die realen Messwerte: Die Klagen waren nicht nur formal berechtigt, sondern auch zur Durchsetzung der zahlreichen Maßnahmen für die saubere Luft notwendig”, so der DUH-Geschäftsführer.

“Der Ausstoß von Stickoxid in den Städten ist zurückgegangen, und zwar nicht nur als Folge der Pandemie”, bestätigte auch die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Städtetags, Verena Göppert, der “Augsburger Allgemeinen”. Sie bewertete die vielerorts verhängten Fahrverbote jedoch als “keine gute Lösung, um saubere Luft zu erreichen”. Die Einschränkungen dürften nur das letzte Mittel sein, wenn die Grenzwerte nicht auf anderem Wege eingehalten werden können, so Göppert.

“In stark belasteten Städten wie in Stuttgart sehen wir, wie Dieselfahrverbote die NO2-Werte massiv verringern”, erklärt dagegen DUH-Geschäftsführer Resch. Doch auch er sehe Einfahrbeschränkungen wie in Stuttgart oder Hamburg nur als letztes Mittel, erklärte Resch, “wenn andere Maßnahmen wie Nachrüstung von Bussen und Kommunalfahrzeugen, Tempo 30, Busspuren und neue Fahrradwege sowie Stärkung ÖPNV allein keine Grenzwerteinhaltung sicherstellen”.

ADAC hält weitere Fahrverbote für nicht vermittelbar

Der ADAC hält dagegen nichts von weiteren Fahrverboten. So habe der Verkehrsrückgang durch Corona dazu beigetragen, die Luftqualität zu verbessern und bereits beschlossene Maßnahmen begännen nun zu wirken, erklärt ADAC-Vizepräsident Hillebrand. Dazu zählt der ADAC-Funktionär etwa die Erneuerung städtischer Busflotten, Softwareupdates für eine bessere Abgasreinigung von Pkw und mehr umweltschonende Fahrzeuge im Straßenverkehr. Weitere Fahrverbote halte er deshalb für nicht vermittelbar.

“Es wird jetzt vor allem wichtig sein, die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln wieder anzukurbeln und den positiven Trend beim Radverkehr zu verstetigen”, sagte der ADAC-Vizepräsident. Das hält auch DUH-Geschäftsführer Resch für nötig. Corona-bedingt habe es in den Städten bis zu 80 Prozent weniger Verkehr und so seit Mitte März entsprechend niedrige Belastungswerte gegeben, so Resch. Nun befürchte er aber, dass mit der Rücknahme der Bewegungseinschränkungen der Pkw-Verkehr sogar über das Niveau vor der Coronakrise ansteige. “Daher dürfen wir die Corona-bedingten Verbesserungen der Luftqualität nicht automatisch fortschreiben – im Gegenteil”, so Resch.

Icon: Der Spiegel



Source link

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *