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Skoda Octavia Combi im Test: Alltagsheld in Neuauflage


Vor zwei Jahren hat der kompakte Tscheche den VW Golf an der Spitze der meistverkauften Autos der Schweiz abgelöst. Nun ist er gerade in vierter Generation lanciert worden. Im NZZ-Test muss er zeigen, dass er nun alles noch ein bisschen besser kann.

Ganz der Alte, möchte man sagen, wenn man dem brandneuen Skoda Octavia begegnet. Dreimal nacheinander war er das meistverkaufte Auto der Schweiz. Der kompakte Golf-Bruder trifft offenbar hierzulande den Geschmack eines grossen Kundenkreises, insbesondere als Kombiversion, die bei Skoda eben Combi heisst. Auch wenn der Octavia äusserlich grosse Ähnlichkeiten zum Vorgänger aufweist, gelang es den Tschechen doch, vieles aus dem VW-Baukasten neu zu interpretieren, um dem Wagen einen ausgereiften Charakter zu geben. Der Testwagen, als Topmodell der Schweizer Palette mit 150 PS starkem Turbodiesel und der höheren Ausstattungsstufe Style bestückt, verfügte über Optionen von rund 8000 Franken, darunter eine Anhängerkupplung (960 Franken), ein Head-up-Display (720 Franken) und das mySkoda Pack Basic mit Voll-LED-Licht, Spurwechselassistent, Abstandsradar und doppeltem Ladeboden (4590 Franken).

Auf Basis der neusten VW-Konzernplattform entstand der Skoda Octavia parallel zum VW Golf. Die weit nach unten gezogene Fronthaube und die Rückkehr zu Einzelscheinwerfern macht ihn erkennbar.

Auf Basis der neusten VW-Konzernplattform entstand der Skoda Octavia parallel zum VW Golf. Die weit nach unten gezogene Fronthaube und die Rückkehr zu Einzelscheinwerfern macht ihn erkennbar.

PD

Interieur

Bisher war der Octavia innen vor allem geräumig. Jetzt kommt auch ein Hauch Eleganz hinzu, ohne dass auf den gewohnten Platz auf allen fünf Sitzen und im riesigen Kofferraum (640 bis 1700 Liter) verzichtet würde. Nicht alles ist geradlinig, und die Verwendung von grauem Stoff im Armaturenträger trimmt den Kompakten zum Allzweckauto mit Geschäftswagen-Eigenschaften. Bei der Materialauswahl gingen die Designer vielleicht etwas zu weit: Nicht weniger als acht verschiedene schwarze Kunststoffe wurden allein für die Türverkleidungen verwendet. Elegant ist die Integration des grossen Touchscreens, genauso wie der zierliche Gangwahlhebel und der Verzicht auf allzu viele Tasten. Chic.

Deutlich eleganter als bisher zeigt sich der neue Octavia im Interieur. Auch die Qualitätsanmutung ist ausgesprochen hoch.

Deutlich eleganter als bisher zeigt sich der neue Octavia im Interieur. Auch die Qualitätsanmutung ist ausgesprochen hoch.

PD

Set-up

Komfort war man beim Octavia bisher gewohnt, und auch daran hält die vierte Generation fest. Die Abstimmung ist ausgesprochen komfortabel gewählt, leider auch mit der Nebenwirkung, dass die Seitenneigung und die Wanktendenz generell zu hoch sind. Wer es straffer mag, wird auf die RS-Sportmodelle des neuen Octavia warten müssen. Gut hingegen ist die präzise Lenkung, die ein gutes Feedback von der Fahrbahn liefert und beim Herausbeschleunigen aus Kurven nicht an den Händen reisst.

Der Kofferraum war schon immer eine grosse Stärke des Skoda Octavia. Bei so viel Platz ist ein Befestigungssystem unabdingbar.

Der Kofferraum war schon immer eine grosse Stärke des Skoda Octavia. Bei so viel Platz ist ein Befestigungssystem unabdingbar.

PD

Antrieb

Typisch Diesel ist, was der Zwei-Liter-Selbstzünder mit Turboaufladung liefert. Das kräftige Drehmoment lässt den Octavia zügig vom Fleck kommen, doch im oberen Drehzahlbereich ist die Schau schnell vorbei. Für den Alltag passt das, fürs Wochenende bei manchen vielleicht weniger. Lobenswert ist das rasch reagierende Stopp-Start-System – bei Dieselmotoren eine seltene Eigenschaft. Wie erwartet gut gelungen ist die Abstufung des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes (DSG), das flotte Gangwechsel an den Tag legt.

Das Fahrwerk ist betont komfortabel ausgelegt, um insbesondere den oft rumpeligen Strassen im Heimatland der Marke begegnen zu können.

Das Fahrwerk ist betont komfortabel ausgelegt, um insbesondere den oft rumpeligen Strassen im Heimatland der Marke begegnen zu können.

PD

Ökonomie

Der von Skoda angegebene Durchschnittsverbrauch von 5,4 Litern Diesel je 100 Kilometer ist für einen 1,7-Tonner mit 150 PS durchaus genügsam. Im Test gelang die Sparfahrt nicht ganz so gut, doch sind auch die erzielten 6,3 Liter immer noch sehr akzeptabel. Hinzu kommt, dass die neuste Abgasnorm nach besonders gründlicher Schadstoffreinigung mit selektiver katalytischer Reduktion verlangt, also dem Einbau von doppelter Harnstoffeinspritzung (Twindosing). Das kostet zusätzlich Sprit, ergibt im Test jedoch einen guten Wert. Hilfreich ist die verbesserte Aerodynamik, die mit einem Luftwiderstandsbeiwert cw von 0,27 ausgezeichnet gelungen ist.

Trotz grossem Diesel-Drehmoment ist der Skoda Octavia mit Zwei-Liter-TDI kein Temperamentsbolzen.

Trotz grossem Diesel-Drehmoment ist der Skoda Octavia mit Zwei-Liter-TDI kein Temperamentsbolzen.

PD

Fazit

Fürwahr, von seinen bisher hohen Qualitäten hat der Skoda Octavia nichts eingebüsst. Ein Temperamentsbolzen war der kompakte Golf-Bruder nie, doch als Alltagsheld ist er nun noch wertvoller, denn er verfügt über deutlich mehr Sensoren und Fahrassistenten als bis anhin sowie zusätzlichen Platz. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist mit einem Basispreis von rund 30 000 Franken noch immer gut, und auch das Topmodell liegt noch unter 40 000 Franken. Schade nur, dass die Aufpreispolitik nun forscher ist als bisher. Auch da hat Skoda modernisiert, aber diesmal nicht zum Vorteil des Kunden. Aber wer simply clever verhandelt, dürfte noch immer gut wegkommen.

Skoda-Verkäufe in der Schweiz, nach Modellen

2012–2020 (in Tausend)

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