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Wayray und True AR: Das Head-up-Display wächst deutlich


Der Wayray-CEO Vitaly Ponomarev gibt konkrete Einblicke in die Zukunft von Augmented-Reality-Produkten im Auto und weiteren Transportmitteln aller Art.

Er sieht aus wie der nette Junge von nebenan, doch der ganz in Schwarz gekleidete Vitaly Ponomarev, mit adrett gescheiteltem dunkelbraunem Haar, hat es innerhalb von fünf Jahren als Gründer und CEO der Technologiefirma Wayray bis an die Spitze der Anbieter von «erweiterter Realität» (Augmented Reality, kurz AR) gebracht und schickt sich gerade an, die Automobilwelt und später die gesamte Mobilität zu revolutionieren.

Dass Vitaly Ponomarev sich mit seiner Firma Wayray anschickt, die Mobilität nachhaltig zu verändern, sieht man dem bescheidenen 31-Jährigen nicht an.

Dass Vitaly Ponomarev sich mit seiner Firma Wayray anschickt, die Mobilität nachhaltig zu verändern, sieht man dem bescheidenen 31-Jährigen nicht an.

Lorenz Richard

Konkret arbeitet Wayray mit Sitz in der Stadt Zürich an der nächsten Stufe des Head-up-Displays im Auto. Anstelle eines kleinen Teils von Informationen in einem Bereich der Frontscheibe im Blick des Fahrers über dem Lenkrad sollen Informationen über die gesamte Windschutzscheibe angezeigt werden – und dies in Form von plastisch wirkenden Holografien. Das können etwa Navigationshinweise sein, in denen Richtungspfeile und weitere Informationen über das reale Bild projiziert werden; oder Fahrlinien mit optischer Warnung, wenn man zu schnell auf eine Kurve zufährt; Informationen über die Umgebung, Hinweise zur Landschaft oder Tankstellen – den Möglichkeiten an Content sind keine Grenzen gesetzt. Die Rede ist von «True AR», also einer Projektion, die vom Blickwinkel unabhängig dargestellt wird.

Die Firma Wayray hat mittlerweile an die 100 Millionen Dollar an Investorengeldern angezogen, darunter sind namhafte Geldgeber wie Alibaba, JVC-Kenwood, Hyundai und Porsche. Mehr als 250 Mitarbeiter arbeiten in Russland, China, den USA und der Schweiz an der Perfektionierung der Produkte. Vor fünf Jahren zog Ponomarev mit seiner Startup-Firma nach Lausanne, wo Wayray als Aktiengesellschaft gegründet wurde. «Anfänglich dachten wir, es würde eine Herausforderung, in der Schweiz Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu haben, weil die Kosten für ein Startup zu hoch gewesen wären», erklärt der bescheiden wirkende Russe. «Den Grossteil von Forschung und Entwicklung betrieben wir in Russland. Aber im Gebiet zwischen Genf, Wallis, Freiburg und Bern war das Klima für neue Firmen gut.» Vor zwei Jahren entschied sich Ponomarev für die Sitzverlegung in die Stadt Zürich. «Wir sehen in Zürich ein grosses Potenzial, Talente heranzuziehen, insbesondere im Automobilsektor.»

Per True AR liessen sich etwa Parkplätze und Fahrverbote optisch hervorheben, um den Fahrer zu unterstützen.

Per True AR liessen sich etwa Parkplätze und Fahrverbote optisch hervorheben, um den Fahrer zu unterstützen.

Wayray

Der Jungunternehmer kommt jetzt in Fahrt, das Funkeln in seinen Augen zeigt, wie entschlossen er ist, die Welt der Mobilität zu verändern. Ponomarev betont, dass Wayray sich nicht als Autozulieferer versteht, sondern als Technologieunternehmen, «aber wir brauchen automobile Kompetenz, um die Bedürfnisse unserer Kunden zu befriedigen». Zürich hat der Russe gewählt, weil er dem aus seiner Sicht grössten Firmenkapital, der Belegschaft, ein optimales Umfeld bieten will. «Auch wenn die Stadt vermutlich einer der teuersten Standorte in Europa ist, sind wir hier doch umgeben von grossen Autoherstellern und bieten den Angestellten eine hohe Lebensqualität. Ausserdem ist unser geistiges Eigentum in der Schweiz gut geschützt, was weitere Investoren anziehen wird.»

Als wichtigster Geldgeber fungiert der deutsche Sportwagenbauer Porsche, der im Spätsommer 2018 als strategischer Lead-Investor bei Wayray einstieg, als zweiter Autohersteller neben Hyundai. Wie bei allem, was Ponomarev anpackt, steckt viel Strategie dahinter, wie er verrät: «Die Hyundai/Kia-Gruppe haben wir als Partner ausgewählt, weil sie in Nordamerika, dem zweitgrössten Automarkt der Welt, am meisten Fahrzeuge verkauft. So können wir zeigen, dass wir für die Herstellung unserer Produkte in grossen Stückzahlen bereit sind. Und Porsche liegt bei den Bereichen Produktqualität und Fertigungspräzision weltweit vorn. Mit den Stuttgartern als Partnern wird nach aussen klar: Wer den Qualitätsstandard von Porsche als Zulieferer erfüllen kann, wird bei allen Autobauern den Qualitätsstandard erfüllen können.»

Vor wenigen Tagen durfte Wayray-CEO Ponomarev als einer der ersten Kunden in der Schweiz einen vollelektrischen Porsche Taycan Turbo S übernehmen.

Vor wenigen Tagen durfte Wayray-CEO Ponomarev als einer der ersten Kunden in der Schweiz einen vollelektrischen Porsche Taycan Turbo S übernehmen.

Lorenz Richard

Ein wenig Porsche-Fan ist Vitaly Ponomarev längst. Gelegentlich zeigt er sich mit seinem roten 718 Cayman GT4, und zurzeit gehört er zu den ersten Käufern des vollelektrischen Taycan Turbo S. Wayray-Produkte, also Frontscheiben mit True AR, wird es bei Autoherstellern aber frühestens 2022 geben. «Wir sind eine sogenannte Deep-Tech-Firma, bei der die Fertigungszyklen länger sind als im High-Tech-Bereich», erklärt der Wayray-CEO. Das Unternehmen ist gemäss Ponomarev vertikal bestens aufgestellt und verfügt über eigene Bereiche im Engineering, in der Herstellung – auch von komplexen Linsen – und in der Verarbeitung von Metallen und Kunststoffen.

«Unsere Laser kann man nicht auf dem Markt kaufen, wir mussten sie selbst entwickeln, genauso wie neuartige Materialien und Software zur Darstellung holografischer Bilder», erklärt er. «Normalerweise dauert ein solcher Prozess mindestens zehn Jahre. Wir brauchten aber nur knapp sieben Jahre, auch wenn wir ganz am Anfang keine Ahnung hatten, wie wir unsere Produkte angehen wollten. Heute sind wir die weltweite Nummer eins in der Holografie, dies in Sachen Kapazität und Kompetenz. Zudem schulen wir die Zulieferer, die für uns in Grossserie produzieren sollen.»

Was die Kunden bei neuen Porsche-Modellen in einigen Jahren kaufen werden, ist jedoch wie bei vielen hochtechnisierten Komponenten nicht das Endprodukt. Was bei Tesla mit der Einführung von «Over the air»-Updates begann, ist heute bei vielen Autoherstellern üblich. «Porsche verfügt über diese Technologie, und so können wir darauf aufbauen und unsere Software im Lauf der Zeit aufdatieren, ohne dass der Kunde in die Werkstatt fahren muss.»

Ein zentrales Element in der Wayray-Produktstrategie ist der sogenannte Marktplatz, den die Welt seit der Einführung von Smartphones mit Apps von Drittanbietern im App Store oder bei Google Play kennt. «Im Porsche könnte beispielsweise eine App integriert werden, die es dem Fahrer auf der Rennstrecke erlaubt, die Ideallinie zu finden und sich konstant zu verbessern. Auf diese Weise wird die App zum Fahrerlebnis wie auch zum Teil des Infotainments.» Die Funktionsweise ist vor allem Piloten von Spielkonsolen-Fahrsimulatoren her bestens bekannt.

Wie in der Spielkonsole: Über die Frontscheibe werden auf der Rennstrecke die Ideallinie, die geeignete Kurvengeschwindigkeit und das Fahrzeug mit der virtuellen Bestzeit eingeblendet.

Wie in der Spielkonsole: Über die Frontscheibe werden auf der Rennstrecke die Ideallinie, die geeignete Kurvengeschwindigkeit und das Fahrzeug mit der virtuellen Bestzeit eingeblendet.

Wayray

Das Wachstum der Firma soll nach Ponomarevs Plänen andauern. In zehn Jahren soll Wayray Anbieter von True-AR-Content auf jeder transparenten Fläche, jedem Fenster sein. «Zurzeit arbeiten wir etwa an einem Angebot für Seitenfenster in Autos und anderen Verkehrsmitteln», sagt der Firmengründer. Im Bereich von Helikopter-Cockpits ist Wayray bereits tätig. «Ich hoffe, irgendwann in der Zukunft solche AR-Fenster kostenlos anbieten zu können und die Deckungsbeiträge aus dem angebotenen Content zu holen. So lässt sich der Ertrag aus dem Marktplatz schöpfen, nicht aus dem Produkt selbst.» Google lässt grüssen, und dessen europäischer Hauptsitz ist nur wenige Kilometer entfernt.



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